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Eine Betrachtung über den nachfolgenden Bibeltext aus dem Jakobus-Brief
(Jakobus 3, 13-17):
»Wer ist weise und verständig unter euch? Der zeige durch einen guten Wandel seine Werke in Sanftmütigkeit, die aus der Weisheit kommt! Wenn ihr aber bitteren Neid und Selbstsucht in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit! Das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern eine irdische, seelische, dämonische. Denn wo Neid und Selbstsucht ist, da ist Unordnung und jede böse Tat. Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedfertig, gütig; sie lässt sich etwas sagen, ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch und frei von Heuchelei.«
Was ist Weisheit?
Was ist Weisheit? – Diese Frage hat schon viele Menschen in den verschiedensten Zeitaltern beschäftigt. Welche Antworten haben die Menschen auf diese Frage gefunden? – Und welche Antworten haben wir vielleicht bisher gefunden? – Der griechische Philosoph Sokrates (469-399 v. Chr.) soll den Satz geprägt haben: »Nur der ist weise, der weiß, dass er es nicht ist.« Das war das Ergebnis dieses Philosophen, der sicherlich ein großer Denker war. Sein Ergebnis beinhaltet eine sehr demütige Haltung, das wollen wir ihm zugute halten, aber ist das wirklich der Weisheit letzter Schluss? – Wenn wir wissen wollen, was die wahre Weisheit ausmacht, dann dürfen wir nicht nach menschlichen Aussprüchen suchen, sondern dann müssen wir Gott fragen. Und in Seinem Wort, in der Bibel, finden wir eine weitaus tiefere und vor allen Dingen verlässliche Antwort auf die Frage: Was ist Weisheit? Hier finden wir die Antwort auf die Frage: Was ist die wahre, die göttliche Weisheit, die Weisheit von oben?
Jakobus leitet unseren Eingangstext ein mit der Frage: »Wer ist weise und verständig unter euch?« Diese Frage klingt so ähnlich wie die Frage: »Was ist Weisheit?« – Jakobus fragt: »Wer ist weise?« Und dann gibt er uns eine zweigeteilte Antwort. Auf der einen Seite macht er uns deutlich, was nicht die Weisheit von oben ist, sondern vielmehr eine irdische. Und auf der anderen Seite zeigt er uns die acht Eigenschaften der göttlichen Weisheit – die Weisheit, die von oben ist!
Die irdische Weisheit
Unter den Christen der damaligen Zeit muss es solche gegeben haben, die sich besonders weise und verständig vorkamen. Vielleicht fühlten sie sich ihren Glaubensgeschwistern überlegen und kamen sich als besonders geistliche Nachfolger Jesu vor. Und genau diese fordert Jakobus jetzt heraus, indem er sagt: »Wer ist weise und verständig unter euch? Der zeige durch einen guten Wandel seine Werke in Sanftmütigkeit, die aus der Weisheit kommt!« Mit anderen Worten sagt er ihnen: »Wenn ihr wirklich so weise seid, wie ihr es behauptet, dann beweist es doch durch einen guten Wandel.« Hier wird deutlich, dass das Vorhandensein von Weisheit am Verhalten des jeweiligen Menschen geprüft werden kann.
Ein Mensch, der die Weisheit von oben, also die göttliche Weisheit besitzt, wird einen guten Wandel haben, der seine Werke in Sanftmütigkeit zeigt. Er wird seine Werke also nicht präsentieren, um damit großzutun. – Das war allerdings bei einigen der Empfänger des Jakobusbriefes der Fall. Sie rühmten sich ihrer Weisheit und Größe, doch die Wahrheit war bitterer Neid und Selbstsucht in ihren Herzen, sodass Jakobus ihnen schreiben muss: »Wenn ihr aber bitteren Neid und Selbstsucht in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit! Das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern eine irdische, seelische, dämonische.« Die Triebfeder für ihr Handeln war also Neid und Selbstsucht – und das inmitten der christlichen Gemeinde. – Auch heute ist es noch so, dass die Menschen getrieben werden von Neid und Selbstsucht – leider auch bis in die christliche Gemeinde hinein. Aber »das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern eine irdische, seelische, dämonische.« – Das Handeln aus Neid und Selbstsucht heraus wird somit auch als eine Weisheit bezeichnet. Vielleicht verschafft sich jemand durch kluge Einfälle, oft begleitet von fragwürdigen Mitteln, viel Reichtum, Ehre und Macht. Durch geschicktes und »weises« Handeln konnte er seinen bestmöglichen Nutzen aus einer Situation gewinnen. Aber das ist nicht die Weisheit, die von oben ist! Sondern jede Weisheit, die Neid und Selbstsucht zur Wurzel hat, ist eine irdische, seelische und dämonische Weisheit, wie es Jakobus hier zum Ausdruck bringt. – Eine irdische Weisheit, weil sie eine Weisheit von dieser Welt und somit eine vergängliche Weisheit ist. – Eine seelische Weisheit, weil sie eine Weisheit ist, die auf persönlichen Gefühlen beruht. Da ist keine Beständigkeit vorhanden. – Eine dämonische Weisheit, weil sie eine Weisheit ist, die ihren Ursprung im Feind unserer Seelen, dem Teufel und Durcheinanderbringer hat. Ja, wie viel Durcheinander und Not herrscht auf dieser Erde nur aufgrund von Neid und Selbstsucht. Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr) hat wohl gesagt: »Was ist der Mensch? Ein Bild des Unvermögens, ein Ball der Veränderlichkeit, die Wiege des Neides und des Elends.« Und wie bringt es Jakobus zum Ausdruck? – »Denn wo Neid und Selbstsucht ist, da ist Unordnung und jede böse Tat.« – »Das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt!«
Die Weisheit von oben
»Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedfertig, gütig; sie lässt sich etwas sagen, ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch und frei von Heuchelei.« – Hier stellt uns das Wort Gottes die Eigenschaften wahrer, göttlicher Weisheit vor Augen. Diese acht Eigenschaften stellen das genaue Gegenteil dar zum Neid und zur Selbstsucht. Die Weisheit von oben hat also nichts gemein mit der Weisheit dieser Welt. Die Weisheit Gottes führt auch nicht zu Unordnung, Durcheinander und Leid, sondern sie führt zum Frieden. »Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens« (1. Kor. 14, 33). – Wollen wir die acht Eigenschaften der Weisheit von oben auf uns wirken lassen? Wir dürfen daran unseren Glaubensstand prüfen und wo es nötig ist, ihn mit Gottes Hilfe korrigieren.
1. Rein
»Die Weisheit von oben aber ist erstens rein.« – Hier heißt es »erstens rein«. Das ist von großer Bedeutung für uns. Die Grundvoraussetzung für die Weisheit Gottes ist Reinheit. Unsere Herzen, unsere Gedanken und unser ganzes Handeln müssen frei sein von jeglicher Unreinigkeit und Sünde. Nur dann können wir auch in der ganzen Weisheit Gottes stehen. Aber wie schnell geht es, dass Unreines, ja Sünde, in unser Leben tritt – unsaubere Gedanken, Blicke und Taten. Dann sind unsere Herzen plötzlich nicht mehr rein, sondern befleckt. Und was ist die Folge? – Der Friede Gottes geht uns verloren. Gut, wenn wir es noch spüren, dass etwas nicht mehr stimmt in unserem Glaubensleben. Dann wollen wir nicht festhalten an der Sünde, sondern Buße tun, d. h. uns völlig abkehren von der Sünde und wieder umkehren zu Gott, der uns anbietet: »Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee« (Jes. 1, 18). Nur so können wir wieder rein werden. Und nur wenn wir rein sind, können wir ein Leben in der Weisheit Gottes führen.
2. Friedfertig
»Die Weisheit von oben aber ist … friedfertig.« – Friedfertig bedeutet, die Eintracht liebend, verträglich und umgänglich zu sein. So soll es auch bei uns sein, dass wir, soweit es in unserer Möglichkeit steht, Frieden halten untereinander. »Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden« (Röm. 12, 18). Hier müssen wir allerdings auch fein aufpassen, dass wir dieses Wort nicht falsch anwenden und um des Friedens willen Kompromisse eingehen, die der Wahrheit des Wortes Gottes widersprechen. – Die Wahrheit ist die Voraussetzung dafür, dass wirklicher Frieden überhaupt möglich ist. Aber solange es nicht um göttliche Wahrheiten geht, sollen wir als Christen lieber bereit sein uns übervorteilen zu lassen, anstatt unaufhörlich für unser Recht zu streiten. Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde zu Korinth: »Es ist ja überhaupt schon ein Schaden unter euch, dass ihr Prozesse miteinander führt. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen? Stattdessen übt ihr Unrecht und übervorteilt, und dies gegenüber Brüdern!« (1. Kor. 6, 7.8). Wir sollen also verträglich sein, nicht nachtragend und darüber hinaus auch nicht Böses mit Bösem vergelten: »Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Schmähung mit Schmähung, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr wisst, dass ihr dazu berufen seid, Segen zu erben« (1. Petr. 3, 9).
3. Gütig
»Die Weisheit von oben aber ist … gütig.« – Gütig zu sein bedeutet, Anderen mit Freundlichkeit und Nachsicht zu begegnen, dem Gegenüber wohlwollend zugetan sein. Wir müssen nicht jeden Fehler und jede Schwäche unserer Mitmenschen gleich weitertragen, nur weil wir so gerne etwas Neues berichten – oder weil es uns eine Genugtuung ist, dass Andere scheinbar schlechter sind als wir selbst. Nein, sondern wir sollen Nachsicht üben und wohlwollend zugetan sein. Das heißt aber nicht, dass wir der Sünde gegenüber gütig und nachsichtig sein könnten. Das ist nicht die Weisheit von oben. Wir sollen nicht Nachsicht haben gegenüber der Sünde. Nein, Sünde trennt von Gott und muss immer ausgeräumt werden. Aber wir sollen Nachsicht haben gegenüber dem Sünder. »Denn er (Gott) ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen« (Lk. 6, 35b). Gott ist nicht gütig gegen das Böse, aber er ist gütig gegen die Bösen.
4. Folgsam
»Die Weisheit von oben … lässt sich etwas sagen.« – Im griechischen Grundtext steht hier das Wort »eupeithes«, was »folgsam« bedeutet. Und »eupeithes« enthält das Wort »peitho«, d. h. vertrauen. – Hier geht es also um gegenseitiges Vertrauen. Ein vertrauensvoller Umgang ist notwendig, damit wir uns auch gegenseitig korrigieren können. Damit wir wissen, der Andere meint es doch nur gut mit uns. Vielleicht ist ihm etwas aufgefallen, was in unserem Glaubensleben nicht ganz stimmt, und er weist uns darauf hin. Was machen wir dann damit, wenn die Korrektur wirklich biblisches Fundament hat? – »Die Weisheit von oben … lässt sich etwas sagen.« – Ist das nicht wirklich wahre Weisheit, wenn man sich von falschen Wegen korrigieren lässt?
5. Barmherzig
»Die Weisheit von oben … ist voll Barmherzigkeit.« – Das Wort »Barmherzigkeit« kann hier auch übersetzt werden mit »Begnadigung«. Wir sollen mit unseren Mitmenschen nicht unbarmherzig und ungnädig sein, selbst wenn sie uns Unrecht getan hätten. Denn, sind wir nicht selbst »nur« Begnadigte? Nicht aus unserem Vermögen, sondern aus reiner Gnade dürfen wir in Jesus Christus frei sein von allen unseren Verfehlungen. »Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es« (Eph. 2, 8). Ist das nicht Grund genug, auch mit denjenigen gnädig und barmherzig zu sein, die an uns schuldig geworden sind? Wir sollen viel vergeben, weil uns viel vergeben worden ist – keine Vergeltung, sondern die Gnade und Barmherzigkeit Gottes soll in unserem Leben regieren.
6. Gute Früchte
»Die Weisheit von oben … ist voll … guter Früchte.« – Auch das gehört zu der Weisheit von oben, dass unser Leben voll guter Früchte sein soll. Früchte, die sichtbar machen, dass wir erlöst sind durch das Blut unseres Heilandes Jesus Christus. Früchte, die zeigen, dass wir frei sind von der Sünde mit all ihrer Macht und Bindung. – Als sich zur Zeit Johannes des Täufers auch einige der Pharisäer und Sadduzäer taufen lassen wollten, da wurde es ihnen durch Johannes verwehrt und er sagte: »So bringt nun Früchte, die der Buße würdig sind!« (Mt. 3, 8). Johannes hat nicht einfach nach Belieben die Menschen getauft. Er wollte zuerst an den Früchten sehen, ob die Sünde erkannt wurde, ob der Mensch seine Vergehungen auch wirklich bereut hatte und ab sofort nicht mehr der Sünde dienen wollte. Wer in die Nachfolge Jesu eintritt, muss sein altes Leben der Sünde hinter sich lassen. Es muss ein Vorher und ein Nachher geben. »Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!« (2. Kor. 5, 17). – Wenn man vorher vielleicht ein Lügner war, dann redet man jetzt die Wahrheit. Oder wenn man vorher in unehelicher Beziehung gelebt hat (die Bibel nennt das Hurerei – vgl. Gal. 5, 19-21), dann wendet man sich jetzt davon ab und ordnet sein Leben nach den Grundsätzen des Wortes Gottes. So könnte man fortfahren. – Das sind die Früchte, die der Buße würdig sind. Diese Früchte sollen auch in unserem Leben zu finden sein. Sie sind notwendige Zeichen für eine echte Umkehr zu Gott. – Darüber hinaus sollen wir auch durch unsere Werke noch viele gute Früchte bringen, indem wir im Gutestun nicht müde werden. »Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden« (Gal. 6, 9). – »Werdet nicht müde, Gutes zu tun« (2. Thes. 3, 13).
7. Unparteiisch
»Die Weisheit von oben aber ist … unparteiisch.« – Als Christen sollen wir nicht parteiisch sein. Die Bibel warnt uns eindringlich, keine Parteiungen in der christlichen Gemeinde zuzulassen. Da ist vielleicht eine Gruppe, die hält sich zu diesem Prediger, eine andere Gruppe hält sich zu jenem Prediger und eine weitere Gruppe hört auf niemanden mehr, sie meint, sie halte sich nur zu Christus. So war es damals in der Gemeinde zu Korinth (vgl. 1. Kor. 1, 11-13). Und das ist auch leider heute noch manchmal der Zustand unter den Gläubigen. Solche Zerteilungen entsprechen jedoch nicht der Weisheit von oben. – Auch wenn etwas zu klären ist innerhalb der Gemeinde, gilt es unparteiisch zu sein in der Beurteilung. Da darf man nicht einseitig für jemanden oder für eine Gruppe eingenommen sein, sondern beide Seiten müssen angehört werden. Und dann gilt es, eine neutrale, sachlich korrekte und nüchterne Beurteilung vorzunehmen, die nicht auf persönlichen Vorlieben beruht.
8. Frei von Heuchelei
»Die Weisheit von oben aber ist … frei von Heuchelei.« – »Heuchelei« bedeutet »Verstellung«. Es handelt sich dabei um eine Vortäuschung nicht vorhandener Gefühle, Eigenschaften oder Umstände. Die Heuchelei geht also einher mit der Falschheit und Unaufrichtigkeit. Die Weisheit von oben aber ist frei von Heuchelei! Sie verstellt sich nicht und täuscht auch nicht etwas vor, was nicht da ist. Sie ist frei von Falschheit und Unaufrichtigkeit. – Wollen wir das bedenken und allen diesen negativen Eigenschaften der Heuchelei keinen Platz geben in unserem Leben? Vielmehr soll unser Umgang miteinander in Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit geschehen.
Schlussgedanken
Gottes Wort fordert uns auf: »Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott« (Jak. 1, 5). Wenn wir den Herrn also in Zukunft um Weisheit für unser Leben bitten, dürfen wir es als eine achtfache Bitte verstehen. – Unsere Bitte um Weisheit bedeutet dann: »Herr, mach mich rein, mach mich friedfertig und gütig, hilf, dass ich mir noch etwas sagen lasse, mach mich voll Barmherzigkeit und guter Früchte, lass mich stets unparteiisch sein und frei von Heuchelei.«
Timo Bösel
Bibelzitate: Schlachter Bibel 2000