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»Siehe, um Trost war mir sehr bange.
Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verderbe;
denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.«
Jesaja 38, 17
Der bekannte Seelsorger, Evangelist und Jugendpfarrer Wilhelm Busch (er lebte von 1897 bis 1966) schrieb einst Folgendes: »Es gibt so viele bedrückte und trostbedürftige Leute. Es gibt aber auch so viele ›leidige Tröster‹ – wie die Bibel sagt. Ja, sind nicht alle Menschen leidige Tröster? Ein erfahrener Christ erzählte: ›Ich war einst durch den Tod eines Kindes tief verwundet und betrübt. Da kamen sehr viele liebe Menschen und sagten gute und tiefempfundene Worte. Aber ich merkte zu meinem Schrecken: Diese Worte erreichten mich gar nicht. Sie drangen gar nicht hinunter in die Tiefe, in der ich war.‹«
Haben das nicht schon viele Leidende und Trostbedürftige erlebt? So gut es ist, wenn Menschen trösten wollen, es gibt dennoch eine innere Tiefe, in die kein menschlicher Trost mehr hinabreicht. Da sucht der Leidende nach Seelenfrieden, aber er findet ihn nicht – und was noch schlimmer ist, er meint, ihn auch nie mehr finden zu können. – Doch das ist nicht wahr! »Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn HERRN, der vom Tod errettet« (so steht es in Psalm 68, Vers 21).
Wenn auch du Seelenfrieden suchst in deiner Not, dann lass das Bibelwort aus Jesaja 38, Vers 17 zu deinem Herzen sprechen: »Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verderbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.« – Der zweite Satz beginnt mit: »Du!« Wer ist damit gemeint? Gemeint ist: Gott, der da hilft! Zu Ihm darfst du in jeder Situation im Gebet kommen. Er ist da und hat immer ein offenes Ohr für dich. Glaube es! Weiter heißt es in dem Bibelwort: »Du aber!« Dieses »Aber« ist der Weg aus der Not. Es zeigt an, dass Gott handelt, denn so hat es der Schreiber des Bibeltextes hier konkret erfahren. Deshalb bekennt er dankbar: »Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verderbe.« Das will Gott auch bei dir tun. Wenn Menschen in letzter Konsequenz nicht mehr helfen und trösten können, dann ist da immer noch der lebendige Gott, der dich geschaffen hat und der sich deiner Seele herzlich annimmt.
Allerdings kann sich Gott deiner Seele erst vollständig annehmen, wenn du mit Ihm selbst Frieden hast. Was hindert diesen Frieden mit Gott? Es ist die Sünde, eine Übertretung göttlichen Rechts, womit man vor Gott und sehr oft auch vor Menschen schuldig wird. Diese Sünde, solange sie nicht vergeben ist, verdirbt die Seele. Oft lässt Gott auch deshalb im Leben notvolle Situationen zu, damit der Mensch zu einer tieferen Besinnung kommt. Nicht umsonst sagt das Sprichwort: Not lehrt beten! Mancher hat in der Not seinen inneren Schaden erkannt. Dann folgten aufrichtige Reue und Bekenntnis, verbunden mit der Bitte um Vergebung.
Und was tut Gott nach einer solchen Besinnung und Umkehr? Er handelt ohne Aufschub wunderbar: »Denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.« Das heißt, Gott vergisst sie. Er schaut nicht mehr darauf. So wird die Sünde in ihrer verderblichen Wirkung aufgehoben und damit ist der Weg zum völligen Trost Gottes in der Seele frei.
Warum aber schaut Gott nicht mehr auf die Sünde? Weil Er diese Schuld schon bezahlt hat – und zwar durch Seinen Sohn Jesus Christus, den Gerechten. Sein Tod am Kreuz auf Golgatha, den Er um unserer Schuld willen auf sich nahm, brachte uns die Befreiung. Jesus »ist die Versöhnung für unsere Sünden« (vergleiche 1. Johannes 2, Vers 2). Diese Versöhnung tritt ein, wenn wir das Opfer Jesu ganz persönlich für uns in Anspruch nehmen. Dann nämlich zieht Jesus als Herr in unser Herz ein. Und das ist die liebevollste Zuwendung, in der Gott sich unserer Seele herzlich annimmt.
Wenn auch du diesen Weg zum Frieden mit Gott gegangen bist, dann darfst du in aller Not, die dich jetzt umfängt, deine Seele vor Ihm ausschütten. Es gibt keine Hindernisse mehr zwischen dir und deinem himmlischen Vater. Er kann bis in die Tiefe der Seele hinab trösten – und Er meint es gut mit dir. Der Psalmist durfte diesen Trost Gottes erfahren, wenn er singt: »Wäre nicht der HERR mir eine Hilfe gewesen, wenig fehlte, so hätte im Schweigen gewohnt meine Seele. Wenn ich sagte: Mein Fuß wankt, so unterstützte mich deine Güte, HERR. Bei der Menge meiner Gedanken in meinem Innern erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne« (Psalm 94, die Verse 17 bis 19). Deshalb, vertraue auf den HERRN! Er will auch deine Seele mit Frieden und Trost erfüllen.
Der erfahrene Christ, von dem am Anfang dieser Andacht die Rede war und der untröstlich zu sein schien, hat dies auch erfahren. Obwohl in seiner großen Not die Trostworte der mitfühlenden Menschen seine Seele nicht erreichten, durfte er bekennen: »Trotzdem bin ich getröstet worden. Ich fand das Wort Jesu: ›Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch!‹ Da habe ich Ihm gesagt: ›Herr Jesus, dann gib Deinen Frieden auch mir.‹ Und Er hat ihn mir gegeben.«
Sieh, für unsern Lebensfürsten,
dem du still dein Leid gebracht,
gab es nie Unmöglichkeiten,
alles hat Er wohlgemacht!
Er wird auch dein Leiden wenden
herrlicher, als du geahnt.
Lass dich nur des Heilands Händen!
Er hat dir den Weg gebahnt.
Beitrag von Hildor Bösel
Bibelzitaten: Luther Bibel von 1912 / Elberfelder Bibel von 1905


